Kump, Brilon

Geschrieben von Flozze

DAS PACK im Kump/Brilon am 15.10.2010 Auf diesen Tag haben wir lange hin gefiebert. Unserer nichts ahnenden Crew erzählt, vorgeschwärmt und sie gewarnt. Heute geht`s nach Brilon im Sauerland, wir spielen im Kump. Hier haben wir Anfang des Jahres eine denkwürdige Nacht erlebt. 'Sport' heisst das lokale Supergetränk, 'Goliath' der große Bruder, dann in 0,4 Liter. Zitronensaft mit Eis und einem Schuss Cola und ganz viel Schnaps. Erstmal pflügen wir uns durch die sauerländer Landstraßen, Kurve um Kurve jagt Dragan unseren armen Tourbus durch die Berge. Es riecht nach verschlissenen Bremsbelägen und Angstschweiss. Nicht alle sind so hart und abgebrüht wie unser Ex-Jugoslawisches Rennpferdchen. Ein Teufelskerl. Ein Satansbraten. Als wir schliesslich angekommen sind und den Laden betreten werden wir in Empfang genommen von Gisbert, dem Chef des Ladens und wenig später kommt auch David dazu, sein Adjutant. Er begrüßt mich mit den Worten: 'Erstmal schön n paar Sport trinken, heute Abend!'. Das Programm ist klar. Diese Sauerländer sind für mich ein Phänomen. Allesamt unfassbar stabile Trinker, die Frauen meist mit großen Brüsten, mundartlich irgendwo zwischen Ruhrgebiet und Siegerland, immer gut gelaunt, und 'Spaß haben' ist die Maxime maximus. Interessant. Wir bauen auf, heute wird mit Kanonen auf Schnapsdrosseln geschossen, wir fahren alles auf was wir haben. Natürlich. Grade so passen wir auf die kleine Bühne. Der Vorverkauf lief ganz gut, und wir sind gespannt was heute Abend so passiert. Erstmal noch kurz in`s Hotel 'Gruß Brilon', ich schreibe eine Setliste und sehe einen Bericht über die Rivalität der Ruhrgebiet-Barone, Thyssen, Krupp, den Bochumer Verein, und den Zusammenhang zwischen Industrie und Fussball. Später kam dann noch Opel als neuer Groß-Arbeitgeber dazu. Fazit: Füher war auch schön, und die Kumpel haben sich zwar gegenseitig gern die Fresse poliert, aber sich auch gegenseitig den Rücken geschrubbt, nach der Arbeit, bevor es in die Kneipe ging zum Saufen und Hauen. Ein nettes Völkchen. Und immer wiederkehrend das große Thema: Saufen. Dann zurück zum Club und sofort hoch die Tassen. Es ist wirklich schön voll, die Werbung hat funktioniert, nicht zuletzt Dank einer örtlichen Bank, die die Veranstaltung sponsert und deren Kunden dafür freien Eintritt haben. Eine komische Kombination, funktioniert aber. Wir spielen heute zwei Sets, je etwa 45 Minuten. Ein Feuerwerk an Fetenhits die wir abfeuern, natürlich alle selbst geschrieben. Am Ende ein großartiges Medley, bestehend aus 'Heavy Metal Kind', 'Mein Schwan' und 'Alle Menschen tot'. Spontan zusammen gestellt. Ein Podburie der guten Laune und erst Recht des guten Geschmacks. Great (englisch für riesig toll). Dann schnell zusammenpacken, laden und dann kickern, und ganz viel 'Goliath' saufen. 'Sport' ist abgewählt worden inzwischen, weil die Portionen lächerlich sind. Bleibt noch zu erwähnen das Pensens Spruch vom letzten Mal 'Bin ich innerlich verdorrt, trink ich mir nen Sport' inzwischen auf den offiziellen Kump-Shirts zu sehen ist. Mit einem lustigen Strich-Männchen und Sprechblase. Was folgt ist Druckbetankung aller Orten, innerhalb kürzester Zeit sind alle blau. Erwachsene Männer posen auf der Bierbank stehend zu AC/DC ab, mit nem Barhocker als Gitarren-Ersatz und einer Zimmerpflanze (wie auch immer die hier drin überlebt hat) als Mikrophon. Inzwischen ist auch die örtliche Gothik-Crew eingetroffen, Menschen in langen schwarzen Mänteln mit ulkigen Frisuren und einem Gesicht, das zwischen lauter aus Frust reingepierctem Stahl, kaum noch auszumachen ist. Aber freundlich sind sie. David legt alle seine liebsten Smash-Hits auf, von Selig über Danko Jones bis Airborne. Und immer wieder der unvermeidliche Goliath. Ich halte inzwischen aus Reflex immer eine Afri-Cola in der Hand, um mir endlose Gespräche über warum ich keinen neuen Drink möchte, zu ersparen. Dann geht es in`s Hotel, wir wissen aber nicht wie es heisst, und die Adresse haben wir auch nicht. Wir versuchen dem Taxi-Fahrer zu beschreiben wie es aussieht und wo es liegt, er meint er weiss bescheid. Geil. Urs sitzt vorne und versucht den armen Kerl zu beschnacken dass wir umsonst fahren, wenn kurz vorm Hotel noch ein Kreisel kommt. Erstens sinnlos, weil Taxifahrer, zweitens blöd, weil kein Kreisel mehr kommt. Im Hotel riecht es überall lecker nach Stammtisch, Schalke und kaltem Friteusen-Fett, ein ganz heimeliges Gefühl. Dafür haben wir eine kleine Terasse mit Dach drüber und ich breite meine nass geschwitzte Bühnenkleidung aus, zum trocknen. Dumm, weil es regnet, aber die Idee war spitze. Adios.
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