Underground, Köln

Geschrieben von Flozze

DAS PACK live im Underground/Köln, 15.12.2010 Der Tag beginnt für uns mit einer Hiobsbotschaft. Claudio, unser treuer Knappe am Mischpult, liegt sehr, sehr krank im Bett. Er kann leider nicht mit uns auf diese Reise kommen. Das macht uns traurig. Wir fahren trotzdem zu ihm und zünden vor seinem Haus diese kleinen Teelichter an, die in diesen roten Plastiktöpfchen stecken und sitzen einfach da und weinen. Es gibt ja eigentlich keinen wirklichen Grund dazu, schliesslich hat er nur ne Grippe, aber tief in unseren Herzen wären wir gerne ne richtig heftig traurige Gothic Band. Dann müssen wir aber doch los. Es herrscht eine gespenstische Leere im Tourbus, nur Pensen, Dennis und ich, das fühlt sich nicht korrekt an. Aber das Leben wird schöner als wir endlich in Hannover sind, erstens sowieso und zweitens weil wir hier Timmey an Bord nehmen. Zur Begrüssung kaufe ich Brötchen mit Mett und Zwiebeln und Kaffee, und die Menschen freuen sich. Schön. Dann geht es weiter nach Köln und es zieht sich wieder alles wie Kaugummi. Das Malheur ist folgendes: Ich bin eigentlich totaler Winterfan. Ich finde die Welt ist wunderschön unter diesem Mantel aus Kokain-Zucker-Schnee-Gemisch, ich geniesse die Stille und finde das ganze Leben automatisch wesentlich gemütlicher, und ich kann mich wirklich diebisch freuen wie jedes Jahr wieder das selbe Ereignis, gefrorenes Wasser aus dem Himmel, die ganze Welt aus den Angeln hebt. Seit hunderten von Jahren. Um immer wieder ist es wie das allererste mal. Lustig. Schlimm ist es halt nur wenn man das Pech hat in dieser Jahreszeit reisen zu müssen. Denn der Winter ist gemacht um sich von Oma bekochen zu lassen und am Kamin zu sitzen und Apfelsinen zu essen und Gebäck, und nicht um jeden Tag viele hundert Kilometer Auto zu fahren. Wir kommen tatsächlich trotzdem noch einigermaßen pünktlich an und treffen unsere süßen 'Kings&Killers'. Sweet Love. Das Wetter wird uns natürlich die Abendkasse verhageln, umso schöner dass wir einen ganz guten Vorverkauf haben. Ich esse heute Indisch, Lamm in Curry. Schmeckt gut, macht aber schlimme Pupsereien. Dann gehen wir auf die Bühne. Ich finde uns heute witzig und gut. Das Publikum auch. Ein paar Kinder aus dem Problemstadtteil Bilderstöckchen sind zu Gast. Sie nennen sich Mafia (originell) und haben vermutlich grade ihren Betreuer im Kleiderschrank eingesperrt, oder ihm noch schlimmeres angetan. Sie sind sehr betrunken und möchten sehr doll dass wir sie wahrnehmen. Und sie möchten mit uns trinken. Sie besitzen eine angeblich ganz tolle Gartenlaube, oder etwas ähnliches, und laden uns ein, 'wir müssen unbedingt mal zusammen einen saufen'. Ich trinke ja gar keinen Alkohol und bin ein verwöhntes Stadtkind dass mit seinen Designer-Freunden Milchkaffee trinkt und sich über neue Laptops und die Vor- und Nachteile der Business-Class Fliegens unterhält. Also, abgelehnt. Nach dem Konzert wird noch ein bisschen gehangen, wir haben Besuch von Ecki, Götz und Fabia, mein Freund André ist da und der unglaublich gute wenn auch leider noch sehr unbekannte Liedermacher 'Herr Beikert' mit einer äußerst hübschen Begleitung namens Leonie. 'Herr Beikert' ist super, checkt es aus, lohnt sich. Wir schlafen heute alle Mann in einem Raum, das hat was von Klassenfahrt und ist was schönes. Ich richtig durchgefickten, alten Bundeswehrbetten. Zwei Mann von sieben schnarchen, einer sehr. Ich versuche gegen zu steuern und mache ein Hörspiel an (Die drei ??? 'Das Bergmonster'). Am nächsten morgen wachen wir alle ziemlich gerädert auf, alle wegen wenig schlaf, einige wegen schnarchen, andere wegen Hörspiel. So sind wir alle genervt und übermüdet, das ist doch mal ne Basis. Ein ereignisreicher Tag liegt vor uns, aber das seht ihr im Tourbericht für Krefeld. Adios Amigos
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