Bastard Club, Osnabrück

Geschrieben von Flozze

DAS PACK, live im Bastard Club, Osnabrück, am 06.10.2010 Wir brechen am Morgen in Bonn auf, erste Station ist der Becker. Und gleich die große Aufregung; Köfferchen hat seine Geldbörse verloren. Dieser Dussel. Ich habe langsam einfach genug von dieser ewig gut gelaunten Surfer-Fresse und schlage zu. Alle anderen auch. Wir stehen mitten in Bonn, am Hauptbahnhof und schlagen auf ihn ein. Der ganze Hass der sich in den letzten Tagen gegen ihn aufgestaut hat, entlädt sich jetzt in Schlägen, Tritten und Kopfnüssen die auf ihn einprasseln wie nix gutes. Wir lassen einen geschundenen Körper zurück, die Frazze dieses fast 40 jährigen Restmenschen in den Bonner Asphalt gepresst. Ein paar Kinder kommen und wollen dem alten Mann aufhelfen. Wir jagen sie fort. 'Lasst ihn liegen, Kinder, dem ist nicht mehr zu helfen', herschen wir die Blagen an. Sie respektieren uns wegen unserer autoritären Ausstrahlungs sofort, und rennen weg. Dragan hinterher. 'Bäääääh', schreit unsere mazedonische Kampfmaschine, und fuchtelt dabei mit den Händen in der Luft herum. Das kommt natürlich besonders gut, weil sie noch blutverschmiert sind. Dann fahren wir zurück in`s Hotel, wo Anatol sein Portmonaie hat liegen lassen, nehmen seine Kreditkarten und gehen erstmal ordentlich in den Puff. Den Resthass rausficken. Dann geht es los nach Osnabrück. Wir spielen heute im Bastard Club, sofort sind wir mit unseren Gedanken wieder beim dümmlichen Köfferchen. Wir grinsen uns an und geben uns High-Fives. Dem haben wir`s gegeben. Wir machen Soundcheck und essen währenddessen chinesisch-italienisch mit Checken Nuggets. Komische Kombi, schmeckt aber super. Wir klingen wieder mal wie ein russisches Gitarren-Kampfgeschwader, einfach herrlich. Claudio macht einfach einen herausragenden Sound. Ich bin noch schlaff und müde, der Kampf am morgen hat mich mitgenommen, auch emotional. Ich bin einfach nicht mehr der jüngste. Dann gehen die Türen auf, und dafür das der Vorverkauf quasi NICHT lief, füllt sich der Laden doch noch ganz gut. LeFly, die alten geilen Schweine, machen es wieder total klar, und die Party läuft. Herrlich. Ich lege mich nochmal einen Moment aufs Ohr, stehe dann wieder auf und knabbere Salzbrezeln. Lecker. Auf einmal klopft es an der Tür. Ein blutverschmierter Haufen Mensch bricht vor meinen Augen, weinend zusammen als ich die Tür öffne. Es ist Köfferchen. Er ist uns zu Fuss von Bonn hierher hinterher gelaufen. Hat mit der Nase eines deutschen Zollhundes unsere Fährte verfolgt und uns gefunden. Auf einmal tut mir alles total leid. 'Köfferchen', jetzt kommen mir auch die Tränen, 'Wir haben es nicht so gemeint, es tut mir auch voll Leid mit deinem Geld, aber wir haben alles verhurt, und nochmehr, deswegen ist uns jetzt der Zuhälter hinterher, könntest du das für uns regeln?'. Er nickt und lächelt mich verklärt an, als sein Kopf kraftlos zur Seite rollt und er aufhört zu atmen. Tot. Jetzt könnte ich den Notarzt rufen und ihn vielleicht retten. Auf der anderen Seite ist seine Karte die einzige Spur die dieser hinterhältige Zuhälter hat, uns zu finden. Da muss man rational bleiben, darf sich nicht von seinen Gefühlen übertölpeln lassen. Ich gehe runter, und wir spielen ein tolles Konzert. Osnabrück ist mit uns. Wir sind schon wieder ziemlich gut, finde ich, und bieten den Leuten Rock vom feinsten. Spruch des Abends von Pensen: 'Das nächste Lied heisst: Dein Haustier passt schlecht über mein Genital' oder so. Sensationell. Meine Band. Um elf müssen wir aufhören, obwohl wir gerne noch so zwei, drei Stunden weitergemacht hätten. Als wir nach dem Konzert an den Merchandise Stand gehen, können wir nicht glauben was wir sehen. Da steht Köfferchen. Rasiert, geputzt, geschniegelt. Wie aus dem Ei gepellt. Ohne einen Kratzer. Dieses Schwein. Wie macht er das immer? Wir sind ein bisschen peinlich berührt und versuchen alles wieder gut zu machen, indem wir ihn mit Drogen vollstopfen. Das mag er gerne. Köfferchen-Verwöhn-Programm. Nur von der Nummer im Puff sagen wir ihm kein Wort. Das wird er schon früh genug mitbekommen, und ein bisschen Strafe muss sein. Für alles. Ciao
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