Maiwoche, Osnabrück

Geschrieben von Flozze


Tourbericht, 18.05.2010 Maiwoche/Osnabrück Mein Rücken fühlt sich immer noch/wieder an, als hätte ich ihn von nem alten Opa geliehen. Ich fühle mich schwach, ausgeliefert und gekränkt von den jungen Menschen die mit dem Anmut eines jungen Rehbocks auf der Strasse an mir vorbei hüpfen. Freut euch nur, ihr Kinder des Sonnenscheins, euch wird der Schatten des Alters auch noch einholen. Alleine über so was zu schreiben ist weinerlich und alt, aber es gehört dazu wenn ich von diesem Tag berichten soll. Ich quäle mich nämlich morgens um 8 aus dem Bett um zur Massage zu fahren. Mit einem Müllbeutel Bestellungen aus unserem Shop unterm Arm setze ich mich in`s Taxi nach Eimsbüttel und lasse mir von den zarten Händen einer jungen Maid die Schmerzen und die Jahre aus dem Rücken kneten. Hannah die neue, offizielle Flozze-Physiotherapeutin hat dafür eine professionelle Liege angeschaft auf der Mann, logischerweise auf dem Bauch, sehr gemütlich liegt, mit einem Kopfteil durch das man die Nase stecken kann und prima Luft bekommt. Außerdem ist unterhalb ein kleines Brettchen angebracht auf das man seine Arme legen kann. So ein Ding brauche ich als Bett. Es passt sich sensationell meinen Schlafgewohnheiten an. Herrlich. Auch wenn Geschlechtsverkehr darauf/darin vermutlich im Bereich der Unmöglichkeit liegt, zumindest wenn man es als Bett betrachten, also ich meine zu zweit im liegen wird schwer... ach, egal, vergesst es. Auf jeden Fall liege ich super, und als ich aufbreche geht es mir und meinem verbrauchten Rückgrat wesentlich besser. Schnell zur Post, den Beutel leeren und Menschen glücklich machen, durch Bestückung mit DAS PACK Utensilien. Dann treffe ich mich mit Pensen und Labinski in der Schanze, und wir fahren zu Fred, denn heute erwartet Osnabrück ein Programm sonders gleichen. DAS PACK und dann die MONSTERS OF LIEDERMACHING. Der Flotte Totte ist grade frisch in den vermutlich neuen Hamburger In-Stadtteil Veddel gezogen. Die Gentrifizierung trifft auch oder grade uns Künstler hart, da muss man sich nach Alternativen umschauen. Als wir uns verfahren und kurz vorm Zoll stehen bricht kurzzeitig Panik aus unnd es werden hektische Kommandos gegeben, aber schließlich finden wir die neue Herberge des Herrn Kalkühl.Totte schreibt die Tourberichte für die Monsters, und wir schmieden auf der Fahrt einen verwegenen Plan; die beiden Podcasts des heutigen Tages werden in einander verwoben werden wollen, und die Berichterstattung über die Konzerte werden dem jeweils anderen Überlassen. Erfrischend, mal nicht nur immer im eigenen Saft zu braten, finde ich. In Osnabrück treffen wir Timmey plus Kind und Kegel und Urs, und ich stelle fest dass es eigentlich kaum noch denkbar ist ohne sie unterwegs zu sein, außer vielleicht mit den Ohrbooten, dass ist was anderes. Kurze Zeit nach uns trifft ein ausgelaugter, schwitziger Rüdi Bierhorst ein, der Todesmutig vom Bahnhof gelaufen ist, und von freundlichen Osnabrücker/Innen immer noch eine kleine Runde um den Pudding geschickt wurde. Dann kommt Burger und endlich sind alle da. Podcast ist schon im Kasten und sensationell, unbedingt sehen!!! Um 20.45 betreten die Monsters endlich die Bühne. Menschen soweit das Auge reicht. Und alle freuen sich schon sehr doll. Es geht auch gleich knallermäßig los. 'Türen', 'Tod in der Nordsee' und 'Montag'. Das ist doch mal ne Ansage. Das Publikum ist vom ersten Moment mit aller Kraft dabei und für jeden Scheiss zu haben. Und das liegt natürlich an der, objektiv charmanten Art der sechs jungen Herren. Die haben die Konzertvorbereitung auch wirklich ernst genommen und sich einen ordentlichen Schwips angearbeitet. Zumindest zur Hälfte. Ich finde es immer wieder wirklich faszinierend wie diese Band funktioniert, die kombinieren Intellekt und Kindergeburtstag auf eine Art und Weise dass man sich vorstellen könnte nen Urlaub am Ballermann oder im Bierzelt gut zu finden, WENN die Monsters spielen. Solche Festivals sind natürlich auch wie gemacht für die Jungs, da kann man einen Hit nach dem anderen abfeuern. Und die Leute lassen sich dankbar, mit strahlenden Augen, im Minutentakt einladen mitzumachen, ein Teil des ganzen zu sein. Ich glaube dass ist irgendwie das Geheimnis, das Publikum hat das Gefühl (und das durchaus zu Recht) ein elementarer Bestandteil der Show zu sein. Und mit so einem Gefühl kann man halt auch erreichen dass sich (bei 'Schönheitschirurgie') geschätzte 500 Menschen für JEDE Strophe auf den Boden setzen, und im Refrain wie vom Affen gebissen aufspringen und tanzen. Ein Karneval der Gefühle. Das Monsters Programm hat sich inzwischen auch auf mehrere Instrumente erweitert, nicht mehr bloß Gitarre. Glockenspiele, Pusteklavier, Bimmelglocken (mehrstimmig gespielt!) und Akkordeon (vierhändig bedient von Fred und Labinski) geben dem ganzen noch mehr ein 'Band'-Gefühl, die klangliche Erweiterung tut dem Programm gut, finde ich. Ein weiteres Highlight: Rüdiger Bierhorst gibt die Kim Basinger zu 'You can leave your hat on'. Szenenapplaus. Absolute Ekstase. Alles aus. Nach dem Konzert ist schnell gepackt, und es wird relativ zügig aufgebrochen, wir haben ja noch einiges vor. Ich sitze wieder neben Totte und stelle in einer weitreichenden Moral/Ethik/Politik/Geschichte-Diskussion fest, dass ich vermutlich, wäre ich 30 Jahre älter, bei der RAF gelandet wäre, und dann wiederum als einer der ersten im Knast, weil für so nen Scheiss einfach zu blöd. Aber die Idee finde ich irgendwie gut. Wir laden erst Totte und Labinski in Veddel aus, dann den ganzen DAS PACK Kram in Horn, dann das Monsters Merchandise in Klein Flottbek, dann geben wir das Auto in der Stresemannstraße ab, und dann fährt Fred uns nach Hause, und es ist 5 als ich endlich da bin, und wie ein abgestochenes Mästschwein in mein Bett falle. Aber diese Touren mit zwei Bands finde ich jetzt schon super, das hat ein Feeling wie Klassenfahrt und hilft mir über den Phantomschmerz hinweg, weil meine Booten nicht mehr bei mir sind. Love Love Love Flozze Der Bericht über das DAS PACK Konzert ist zu finden auf der Homepage der Monsters of Liedermaching, Monstersofliedermaching.de, oder einfach den Link kopieren: http://www.monstersofliedermaching.de/tagebuch/osnabrueck-310.html
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