Alter Schlachthof, Soest

Geschrieben von Flozze


Tourbericht, 14.05.2010 Alter Schlachthof in Soest (mit den Ohrbooten) Nach einer langen Strecke die wir über Nacht im Bus zurück gelegt haben, kommen wir gegen Mittag in Soest an. Ein niedlicher, kleiner Ort, im wesentlichen bestehend aus Altenheimen, Rehakliniken und friedlichen Menschen die das Leben in der Provinz zu schätzen wissen. Man spürt dem örtlichen Team auch sofort diese 'dörfliche Herzlichkeit' ab. Eine Sitte die in den großen Städten oft schon verloren gegangen ist, wo man als Künstler nur noch eine Nummer im ewigen Kreislauf aus Auf- und Abbau ist. Hier wird noch selbst gekocht, die Veranstalter merken sich die Namen der Crew (zumindest fragen sie nicht 10 mal am Tag nach...), kurz, man wird umsorgt wie im Mutterschoss. Ein heimeliges Supergefühl. Dementsprechend macht sich im Backstage auch ein sehr relaxtes Gefühl breit. Es wird Kaffee in rauen Mengen konsumiert, Schokolade verputzt, und eine nahrhafte Kokos-Curry-Suppe. Soelve, der alte Neandertaler, will lieber Hackfleisch und erkundigt sich natürlich erstmal nach dem nächsten McDonalds. Eine Unverschämtheit. Ich tröste die in Tränen aufgelöste Köchin, indem ich ihr durch ein kleines, schnell gebohrtes Guckloch einen Blick auf den Pimmel von Manuel ermögliche, während er seine kleine Schokobohne genüsslich unter der Dusche einseift. Sie hat gute Kontakte zur örtlichen Schwulen-Selbsthilfe-Gruppe und sagt den mannstollen Bauarbeitern schnell Bescheid. Rucki-Zucki hat sich eine Horde älterer, aber strammer Burschen versammelt, die unter großem 'Oooh' und 'Aaah' abwechselnd durchs Loch schielen. Manuel, der alte Fuchs, hat das natürlich längst spitz gekriegt, aber er scheint es wirklich zu geniessen. Immer wieder nimmt er, schelmisch grinsend, große Portionen aus dem Seifenspender, und reibt sich unter leisem stöhnen gründlich ein. Mein Angebot das Guckloch , kostengünstig, und auf die Schnelle zu einem 'Glory Hole' umzufunktionieren, lehnen sie aber ab. (Was ist ein Glory Hole??? Einfach mal recherchieren auf den Seiten der üblichen Anbieter für einschlägige Literatur im Internet.) Die grau melierten Herren bedienen sich lieber aus dem nahegelegenen NPD-Erziehungsheim. Na gut, jedem das seine und das was er verdient. Ha. Manu scheint aber richtig heiss gelaufen zu sein, denn im Laufe des Nachmittags geht er mich mehrmals an, und verwickelt mich in kleine Ringkämpfe, 'Rangeleien' wie er das spitzbübisch nennt, die er natürlich allesamt in Sekundenschnelle verliert. Erbärmlich. Beim Skat ist er gestern auch chancenlos geblieben gegen mich. Ein trauriges Kackleben. Aber zum Glück hat er ja Freunde. Zum Beispiel das Pack. Wir lieben Manu sehr, und arbeiten hart, um ihn uns irgendwann auch als Tourmanager leisten zu können. Denn es gibt keinen besseren. Punkt. Ach so, Musik wurde auch noch gemacht. Als wir die Bühne betreten ist es noch spärlich gefüllt aber wir bieten eine Show von Weltformat. Relativ viel Gesabbel, Gesichter die sagen:'Ich verstehe nicht was ihr da redet, fühle aber eine grundsätzlich Sympathie. Und das muss euch erstmal genügen. Sorry.' Am Ende finden sie uns natürlich doch gut. Denn sie sind einfach zu schlau um nicht zu begreifen dass sie ein Konzert von epochaler Bedeutung erleben, und das quasi gratis, aus Sicht eines Ohrbooten-Fans zumindest. Nice. Außerdem muss man noch hinzufügen dass ich heute mit dem Onkel auf der Bühne Walzer getanzt habe. Wie ein frisch verliebtes, junges Paar haben wir uns gegenseitig hin und her gewirbelt. Mit den schönsten Piruetten und Drehungen die ein gleichgeschlechtliches Paar mit zwei wedelnden Ruten so hinbekommen kann. Einfach toll, und ein echter Hingucker, vor allem für die weiblichen Fans, grade die jüngeren finden das ja toll wenn zwei Männer sich lieb haben. Ich kann diese Faszination nur bedingt nachvollziehen, aber gestehe es der nächsten Generation zu. Es ist Brauch. Zum Thema Ohrbooten: Nun ist es schon wieder fast vorbei, nächste Woche noch eine Show in Marburg, und dann trennen sich unsere Wege, wohl auch erstmal für längere Zeit. Das macht mich wirklich traurig, denn wir haben im letzten halben Jahr derartig viel Zeit auf engstem Raum miteinander Verbracht, da wächst man schon zusammen. Man lernt die Marotten des anderen kennen, erkennt ihn mit zuen Augen am Geruch, oder am Gang, oder am Schnarchen. Und man muss erstaunt feststellen, dass während der ganzen Tour, seit Anfang Oktober (zugegeben: mit großen Pausen, aber trotzdem, 35 bis 40 Shows plus freie Tage), es keinen Streit gab. Keinen. Sicher hat jeder mal nen schlechten Tag und zieht sich ein bisschen zurück und so, aber es gab keine ernsthafte Auseinandersetzung über IRGENDWAS. Ich denke wir haben unsere Tour-Kompatibilität hiermit eindrucksvoll nachgewiesen. Und in allem Ernst, und mit allem Nachdruck kann ich sagen: Jungs, DAS PACK hat euch schrecklich lieb. ALLE miteinander. Diese Zeit wird uns noch verbinden wenn wir längst olle Opas sind und in unseren wohlverdienten Villen sitzen und zu anderen Weggefährten längst nur noch über Anwälte und Manager kommunizieren. Wir haben zusammen was großartiges erlebt. Besten Dank. DAS PACK
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