Stadtfest, Gießen

Geschrieben von Flozze

DAS PACK live auf dem Stadtfest Giessen, 21.08.2011 Das Motto des Tages lautet: 'Back to the roots I never had'. Lang, lang, lang ist es her dass ich auf einem Stadtfest gewesen bin, geschweige denn dass ich auf einem gespielt habe. Und doch ist es als wäre man niemals weg gewesen. Der Geruch von Bratwurst und kaltem Friteusenfett, ranzigem alten Bier und gebrannten Mandeln kriecht durch die Atemwege in`s Gehirn und sagt 'Hallo'. Andere Stadtfest-Attraktionen: Frauen 45+X, die in vorzugsweise lila und orangenen, gebatikten Leinenkleidern den Markt nach Schnäppchen (möglichst exotisch, gerne mit afrikanischen oder karibischen Motiven) absuchen, und dabei ihre zwanzig Jahre alten Sandalen ('Die sind doch noch tipi-topi) vollschwitzen, wobei sich die Hornhaut an den Zehen ob der Nässe zu lösen beginnt. Außerdem jede Menge gemachte Fingernägel (American Style) und gefärbte Haare (gerne auch 'frech' in rot, standardmäßig in blond). Und dazu einfach viele normale nette Leute, Jugendbanden die am Autoscooter warten bis sie sich endlich hauen können und natürlich viele, frisch verliebte Pärchen. Und mittendrin wir, DAS PACK. Interessante Kombination, finde ich, und bin gespannt. Ich komme mit Dragan aus Hamburg, die anderen sind schon da, Claudio, Timmey und Pensen waren gestern mit den Monsters unterwegs. Als ich auf dem Weg mit Pensen telefoniere, höre ich im Hintergrund eine Blaskapelle und es regnet in Strömen, sagt er. Na bitte sehr, das kann ja heiter werden. Also wir dann da sind habe ich tatsächlich das Glück noch einen Blick zu erheischen auf die super Schlager/Volksmusik Band vor uns. Immerhin hat es aufgehört zu regnen und wir werden freundlich im Empfang genommen und haben ein trockenes Plätzchen zum aufbauen gefunden, unter dem Vordach von Karstadt nebenan. Besten Dank. Nach den Bläserjungs kommt noch eine Trommelgruppe, ich glaube aus Witten. 5-6 stramme Jungs, vermutlich keiner älter als 20. Samba und der ganze Kram, aber mit sehr sympathischen Ansagen, die Jungs haben alle Tricks drauf die man so braucht im Showbiz, finden wir. Außerdem sind sie sehr freundlich und beherrschen ihre Instrumente. Ich beschliesse sie gut zu finden. Dann sind wir dran. Als ich mein Schlagzeug auf die Bühne trage haue ich mir das Auge auf an meinem Becken. Eine riesige Wunde platzt auf und das Blut spritzt fröhlich in kleinen Fontänen aus dem Loch in meinem Kopf in dem eben noch mein Auge saß. Ich bin wütend, denn das war wohl kaum meine Schuld. Ich finde den Verantwortlichen und scheuere ihm ein paar, das es sich gewaschen hat. Am Ende bedankt er sich bei mir, denn das war, nicht zuletzt, eine Lektion für`s Leben für den jungen Herren. Dann trinke ich einen Gänseschnaps (zum identifizieren) und prokel mir das ganze scheiss Auge wieder rein. Es ist natürlich total siffig geworden, von dem ganzen Stadtfest-Schmutz auf dem Boden, und mein Sehvermögen ist bis in die späten Abendstunden doch merklich eingeschränkt. Dann schnell das Nähset aus dem Koffer und schön wieder zugenäht, den Fleischlappen. Naja, muss weitergehen. Ich sehe natürlich ein bisschen dämlich aus mit der Wunde, aber da alle gesehen haben wie ich eben den Typ vertrimmt habe wagt es keiner zu lachen oder so. Eine total eingeschüchterte Stimmung. Wir gehen von der Bühne, ich falle in Ohnmacht, wegen Blutverlust. Als ich wieder aufwache sind wir schon mitten im Konzert und ich spiele einen heissen Beat. Toll. Und das Publikum ist zahlreich, freundlich, interessiert und gutaussehend. So gar nicht wie Stadtfest eigentlich sonst immer ist. Wir bieten natürlich wieder ein Feuerwerk der Gefühle und Heavy Petting mit Musik. Ein wirklich schönes Konzert. Die Wunde pochert vor sich hin und eitert, aber immerhin im Takt. Danke sehr. Da wird man ja auch wahnsinnig sonst. Vielen Dank Gießen, ihr ward zauberhaft.
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